22. August 2019

Nachhaltige Chance für die Gaswirtschaft durch Quote für grüne Gase

Die Energiewende zwingt die Gasbranche zum Umdenken – eine Kurzstudie der nymoen|strategieberatung für FNB Gas zeigt die Potenziale einer Quote für erneuerbare und dekarbonisierte Gase auf

Für die Gasbranche bedeuten die nationalen Klimaziele eine große Herausforderung für ihr Geschäftsmodell. In der Politik setzt sich zwar zunehmend die Erkenntnis durch, dass eine direkte Elektrifizierung aller Sektoren nicht umsetzbar und die Gasinfrastruktur unverzichtbar für das Erreichen der Klimaziele ist. Um jedoch bis 2050 ein nahezu treibhausgasneutrales Energiesystem erreichen zu können, wird fossiles Erdgas in seiner heutigen Form in den nächsten 20 Jahren sukzessive aus dem Energiemix verschwinden müssen. Mit Biomethan, grünem Wasserstoff, synthetischem Methan und dekarbonisiertem Erdgas (sog. blauem Wasserstoff) bietet sich aber bereits heute eine ganze Bandbreite von möglichen erneuerbaren bzw. dekarbonisierten gasförmigen Alternativen an.

Trotz der großen Potenziale dieser neuen Technologien gestaltet sich der Markthochlauf bislang allerdings schwierig. Ein Grund hierfür sind fehlende Anreize zum Einsatz Erneuerbarer Gase z. B. im Gebäude- oder im Verkehrssektor. Ein weiterer Grund sind die aufgrund fehlender Skaleneffekte hohen Investitionskosten, durch die innovative Anlagen bislang nicht wettbewerbsfähig sind. Die Wettbewerbsposition der Power-to-Gas-Technologie wird zusätzlich auch durch das bestehende System von Abgaben und Umlagen behindert, welches beispielsweise den Strombezug von Elektrolyseuren stark belastet.

Abseits von Leuchtturmprojekten, wie den erst kürzlich vorgestellten Reallaboren, gibt es gegenwärtig weder auf EU- noch auf Bundesebene ein konsistentes Maßnahmenpaket, mit dem neben Biomethan auch andere grüne Gase im Markt etabliert werden könnten. In diesem Zusammenhang hat die Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber (FNB Gas) die nymoen|strategieberatung beauftragt, im Rahmen einer Studie das Instrument der Quote für erneuerbare und dekarbonisierte Gase zu untersuchen, anderen Fördermodellen gegenüberzustellen und ein konkretes Quotenmodell zu entwickeln.

Die Analyse zeigt, dass ein solches Quotensystem durch seine unmittelbare Lenkungswirkung das einzige Instrument ist, mit dem ein bestimmtes Mengenziel grüner Gase – und somit implizit ein CO2-Reduktionsziel – sicher und volkswirtschaftlich effizient erreicht werden kann. Das Berliner Beratungshaus hat dabei unter anderem auch Einspeisetarife, Ausschreibungen sowie ein Marktanreizprogramm betrachtet.

Ausgehend von einer Quote in Höhe von 1 % im Jahr 2021 schlägt die nymoen|strategieberatung eine schrittweise Anhebung auf 10 % in 2030 vor. Bereits 2030 kann damit eine installierte Elektrolyseurleistung von 7,5 GW erreicht werden, was auch dem Szenariorahmen des Netzentwicklungsplans Gas 2020-2030 entspräche. Zusätzlich zu dieser Anregung des Markthochlaufs neuer alternativer Technologien könnte der mit einer Quote verbundene Nachfrageanstieg zahlreichen Biogasanlagen, die in den nächsten Jahren sukzessive aus dem EEG fallen werden, ein neues Geschäftsmodell bieten. In der Studie wird zudem angeregt, eine solche Quote in den Anfangsjahren durch ein Marktanreizprogramm zu flankieren und das System der Letztverbraucher¬abgaben zu überdenken.

Als energiewirtschaftlicher Experte in Berlin betreut die nymoen|strategieberatung zahlreiche Kunden der Energiebranche bei strategischen unternehmenspolitischen Entscheidungen, etwa in Form von Modellrechnungen, Potenzialanalysen oder politischem Monitoring.