18. September 2018

Energiedienstleistungen: Chance für die Zukunft oder Groschengrab?

In Zeiten sinkender Margen und verfallenden Commodity-Geschäftes nimmt die Bedeutung von neuen und energienahen Dienstleistungen für Energieversorger zu – sogenannte Energiedienstleistungen (EDL). Für viele Stadtwerke stellt die Entwicklung neuer und wettbewerbsfähiger Produkte eine Hürde dar. Während Start-ups schon mal mutig die Chance ergreifen und auch ein noch nicht perfektes Produkt am Markt platzieren, wird von Stadtwerken ein Produkt erst dann „gelaunched“, wenn alle Wertversprechen bis ins letzte Detail definiert sind.

Warum überhaupt EDL’s anbieten? Der Aufbau eines EDL-Portfolios bietet Wachstumschancen, die Diversifizierung des Produktportfolios und die Kopplung mit dem Commodity-Vertrieb. EDL-Produkte sind ein strategisch smarter Schachzug, da potenzielle Kunden z. B. über ein Wärme-Contracting zum 10-Jahres-Wärmekunden mit Gasbezug gewandelt werden. Der Vertrieb von PV-Lösungen erscheint zwar auf den ersten Blick als Kannibalisierung des eigenen Stromabsatzes, doch wird der zufriedene Kunde über das PV-Angebot auch zu einem langjährigen Reststromkunden transformiert, wobei die Churn-rate solcher EDL-Kunden signifikant geringer ausfällt.

Oft werden Zweifel laut. Im Bereich Energiedienstleistungen sei wenig Marge für ein Stadtwerk zu verdienen und man konzentriere sich lieber auf die bestehenden Kernprodukte. Doch der Erfolg der neuen Generation von Energiedienstleistern zeugt von einer hohen Kundennachfrage nach neuen energienahen Dienstleistungen: Thermondo (u. a. Wärme-Contracting), easyHeizung (Heizungstausch), Sonnen (Strom-Sharing Community) und DZ-4 (Solaranlagen zur Miete) sind nur einige Beispiele für schnell wachsende und erfolgreiche Anbieter von Energiedienstleistungen.

Agilität und Geschwindigkeit von Start-ups können Stadtwerke und EVU nur schwer nachahmen, doch auch sie können in agilen Projekten methodische Ansätze aus dem Start-up-Bereich bzw. aus Innovationsprojekten übernehmen.

Die nymoen strategieberatung gmbh hat für die Entwicklung von neuen EDL-Angeboten und Services einen eigenen Ansatz der Produktentwicklung für die Energiewirtschaft erarbeitet. Er beinhaltet drei Kernelemente eines typischen agilen Projektes und Design-Thinking und kann auf die Entwicklung aller EDL-Produkte übertragen werden: Team, Raum und Prozess.

Team

Hier gilt es zunächst die gewohnten und starren Abteilungsstrukturen zu überwinden und stattdessen auf eine agile und interdisziplinäre Projektorganisation zu setzen. Die frühzeitige Einbindung von Akteuren aus unterschiedlichsten Abteilung ist eine Voraussetzung für ein später erfolgreiches Produkt. So macht es wenig Sinn im Produktentwicklungsprozess Mehrwerte des Produktes zu erarbeiten, welche später von der Rechtsabteilung als rechtlich nicht zulässig klassifiziert werden oder für welche die notwendige IT noch nicht vorhanden ist. Durch die frühzeitige Einbindung von Vertretern aus allen Bereichen: Vertrieb, Marketing, Recht, IT und Controlling können spätere Design-Fehler und nachträglich entstehende Kosten vermieden werden.

Raum

Neben dem Team spielt auch das Projektumfeld und die Projektatmosphäre eine wesentliche Rolle für die Innovationskraft der späteren Ergebnisse. Das Projektteam muss sich dazu in möglichst kurzen Abständen regelmäßig zu Arbeits-Workshops treffen. Um die Kreativität und Arbeitsproduktivität zu steigern ist außerdem empfehlenswert, die Workshops abseits des unternehmensinternen Konferenzraumes in einem modernen und kreativen Umfeld zu veranstalten. Andersdenken braucht Freiheit und ein gewisses Maß an Anarchie. 

Prozess

Der Prozess ist bei der Entwicklung neuartiger Geschäftsmodelle von besonderer Bedeutung. Ein strukturiertes Vorgehen sichert sowohl effektive als auch effiziente Erarbeitung von Inhalten. Der Entwicklungsprozess muss dabei natürlich Spielraum für innovative oder neuartige oder auch zerstörerische Elemente zulassen, welche die Attraktivität des Produktes für den Kunden erhöhen. Produktentwicklung denkt immer vom Kundennutzen aus. Was nützt dem Kunden, was ist einfach zu handhaben, was ist leicht zu verstehen, was löst Probleme? Produkte mit einer durchdachten Customer Journey und einem hohen Kundenmehrwert (z. B. durch serviceorientierte USP) erfüllen die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Produkt.

Die beschriebenen Kernelemente vereinen wir in unserem praxiserprobten EDL-Entwicklungsprozess. Während wir mit unseren Kunden in interdisziplinären Projektteams arbeiten, wird das Zielprodukt sukzessiv in seine Bestandteile zerlegt und die einzelnen Elemente anhand der nsb-Produkt-DNA erarbeitet. Hierbei wird zunächst eine Auswahl an Optionen je Produkt-DNA-Strang vom Projektteam erarbeitet. Anschließend werden die Optionen und deren Umsetzbarkeit sowie ihr Mehrwert für den Kunden diskutiert und abschließend das „optimale“ Element vom Projektteam ausgewählt. Bereits während der Produktentwicklung wird die Umsetzung der Customer Journey mitgedacht. Dies erfolgt durch die Analyse von Use Cases. Darüber können wir sicherstellen,  dass das Produkt nicht nur ein starkes Wertversprechen beinhaltet, sondern auch in Anfrage und Umsetzung für die Kunden serviceorientiert und möglichst friktionslos bereitgestellt werden kann.

Der Produkt-DNA-Prozess kann auf bestehende Produkte sowie zur Erarbeitung von komplett neuen EDL-Produkten angewandt werden. Die eine oder andere Idee wartet sicherlich bereits in Ihrer Schublade nur noch auf die Umsetzung. Kommen Sie gern mit Ihrer Anfrage auf uns zu.

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